Menschen: Mentalität und Mischung in Peru


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Leben in einem Dorf in Peru

Leben in einem Dorf in Peru

Das Besondere an der Bevölkerungsmischung in Peru besteht darin, dass es eines der wenigen lateinamerikanischen Länder ist, in denen die Menschen indigenen Ursprungs die Mehrheit stellen. Das bedeutet natürlich auch Mentalitätsunterschiede zum Beispiel zum sehr europäisch geprägten Argentinien oder Uruguay. Viele von den Indigenen haben sich ihre alten Riten und Traditionen bewahrt, auch wenn das in den Großstädten des Landes oft erst auf den zweiten Blick sichtbar wird.

Fürs gesamte Land gilt allerdings, dass der Faktor “Zeit” eine gänzlich andere Rolle spielt als in Mitteleuropa. Wer durchs Land reist, wird schnell feststellen, dass Zeitangaben tatsächlich meist eher den Charakter des Ungefähren tragen. Für diese Mentalität existiert sogar ein Ausdruck, man nennt diese Unpünktlichkeit “la hora peruan”, also die peruanische Zeit bzw. Stunde, die man gerne mal zu spät kommt. Zudem ist eine morgens getätigte Zusage für eine Verabredung deshalb noch lange nicht am Abend gültig. Solche Zusagen tragen eher den Charakter einer Absichtserklärung als jenen von Verbindlichkeit. Dennoch sollte dieser Umstand eben als Teil der peruanischen Kultur verstanden werden und keinesfalls als Unhöflichkeit interpretiert werden.

Denn eines sind die Menschen in Peru ganz bestimmt: Ausgesprochen höflich. Bringt ein Ausländer dann noch echtes und nicht geheucheltes Interesse an der peruanischen Kultur auf, ist das Gegenüber oft geradezu entzückt. Nichtsdestotrotz existiert auch in Peru ein gewisses Potenzial für Gewalt und Überfälle, was aber natürlich keine Rückschlüsse auf die durchschnittliche Mentalität des Landes zulassen sollte. Vielmehr liegen die Ursachen dafür meist in den recht großen Unterschieden zwischen Arm und Reich, nicht nur in Peru, sondern (fast) überall in Südamerika.

Was zumindest für den weiblichen Teil der Reisenden angesprochen werden muss, ist, dass wie überall in Lateinamerika durchaus noch eine gewisse Machismo-Kultur, auch in Peru, vorherrscht. Dies bedeutet, dass Frauen nicht unbedingt in allen Lebensbereichen ähnliche Errungenschaften der Emanzipation zugestanden werden wie in unserem Kulturkreis. Das ist teilweise gewöhnungsbedürftig, gleichzeitig aber natürlich nicht gefährlich.

Was Begegnungen mit Menschen aus Peru so attraktiv und spannend macht, ist die besondere Lebensfreude, die sie für gewöhnlich ausstrahlen. Tristesse und Schwermut sind eher Fremdwörter für Peruaner, selbst Unglücke werden meist mit stoischer Ruhe ertragen und ein etwas aufbrausendes Ereifern erlebt man von ihnen meist nur beim Verfolgen ihres Nationalsports, dem Fußball. Ansonsten sind Tanz, Musik und Frohsinn aber der übliche Rahmen für den Alltag in Peru — und das ist in diesem Fall kein Märchen für Touristen, sondern entspricht der Lebensrealität in weiten Teilen Perus.

In den Großstädten ist es selbstverständlich nichts Ungewöhnliches für Peruaner, in Kontakt mit Ausländern zu geraten, in entlegeneren Gebieten ist es ebenso selbstverständlich oft etwas ganz Neues, das dann auch mit verständlicher Vorsicht angegangen wird. Menschenscheu ist man in Peru (abgesehen von ganz entlegenen Dörfern) allerdings nirgendwo.

Von Vorteil sind für solche Begegnungen logischerweise Spanischkenntnisse, denn abseits der Großstädte ist Englisch quasi überhaupt nicht verbreitet, Deutsch noch viel weniger. Das Spanisch Südamerikas unterscheidet sich je nach Region stark oder schwach vom kastillanischen Spanisch. Für eine grundlegende Verständigung sollte die Kenntnis des Letzteren aber auch in Peru stets ausreichen.

Übrigens ist dieser Beitrag hier nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was es über die Mentalität von Peruanern zu berichten gibt, weitere Ausschnitte mit einem anderen Fokus werden selbstredend folgen.

Creative Commons License photo credit: morrissey



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