Robinson Crusoe ist — eine Insel!


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Einsam war es für Robinson Crusoe

Einsam war es für Robinson Crusoe

Was hauptsächlich als Romanfigur aus Daniel Defoes Geschichte von einem auf einer einsamen Insel gestrandeten Seemannes erzählt, ist auch in der Realität existent: Eine Insel im Pazifik vor Chile trägt den Namen dieses fiktiven Charakters.

1574 wurde sie von einem spanischen “Eroberer” entdeckt und nach ihm benannt, hieß also zunächst einmal Juan Fernandez. Mit 674 Kilometer Entfernung vom chilenischen Festland ist es nicht erstaunlich, dass es lange dauerte, bis dort ernsthafte Besiedlung stattfand. Ein Schweizer pachtete die Insel 1877 für acht Jahre, damals hatte die Insel 60 menschliche Einwohner sowie 100 Kühe, 60 Pferde und etwa 7000 Ziegen als weitere Bewohner.

Vielleicht wirft man erst einmal einen Blick darauf, wie es auf der Robinson-Crusoe-Insel aussieht, welche vielfältige Tierwelt dort auf den Besucher wartet, zeigt dieses detallierte Video von den Eindrücken auf der chilenischen Insel, mitten im Pazifik.


Dass die Insel den Namen “Robinson Crusoe” trägt, hat einen ganz konkreten Hintergrund: 1704 wurde der schottische Seefahrer Alexander Selkirk hier ausgesetzt und lebte vier Jahre lang (!) in absoluter Einsamkeit, teilte also das nur fiktive Schicksal Robinson Crusoes in der Realität. Ja, und richtig geraten, genau diese Geschichte war schließlich die Inspiration für Schriftsteller Daniel Defoe, seinen Roman zu schreiben. Insofern heißt die Insel Robinson Crusoe, wie sie von der chilenischen Regierung 1966 umbenannt wurde, nach einer Figur, die vom Schicksal eines Mannes inspiriert wurde, der dieses Schicksal auf der Insel Robinson Crusoe erlitt. Ein bisschen verrückt, aber auch schön.

Der echte Robinson Crusoe wurde hier ausgesetzt

Heute leben hier rund 600 Menschen, betreiben Langustenfang oder leben vom Tourismus, denn wie das Video zeigt, ist die Insel eine spannende Ausgabe sehr eigener Natur, wie es sie auch in Südamerika nicht an allen Ecken und Enden zu erleben gibt.

Interessant auch für den Hobbyhistoriker: In der Cumberland Bay liegt das Wrack der SMS Dresden, ein deutscher Kreuzer, der sich im Ersten Weltkrieg hier selbst versenkte, nachdem er von britischen Schiffen kampfunfähig geschossen worden war. In 60 Meter Tiefe liegt sie hier, ist chilenisches Nationalgut wie Attraktion für viele Taucher, die alleine deshalb hier herreisen.

Der höchste Punkt von “Robinson Crusoe” ist der 916 Meter hohe Berg Cerro El Yunque, der fast 100 Quadratkilometer großen Insel. Überhaupt wird das Erscheinungsbild der Insel durch gebirge, steile Berghänge gekennzeichnet, die durch die vulkanischen Aktivitäten hier verursacht wurden.

Nicht nur für Taucher interessantes Wrack in einer Bucht

Da sie einen Flugplat besitzt, ist sie nicht allein mit dem Schiff zu erreichen, so dass man nicht unbedingt eine so extrem lange Anreise benötigt, wenn man sie besuchen möchte. Zur Zeit tun das nur einige Hundert Besucher pro Jahr, diese Zahl könnte sich aber bald ändern, denn das Unverfälschte und das Natürliche wie gleichzeitig Raue an dieser Insel begeistert immer mehr Menschen. Dazu kommen die vielen endemischen Arten, sowohl bei Tieren als auch bei Pflanzen, was die Insel auch von großem wissenschaftlichen Interesse werden lässt.

Der echte Robinson Crusoe, also Alexander Selkirk, ist übrigens nicht gänzlich leer ausgegangen bei der Umbenennung der Insel(n) hier: Die westlichste der Inseln in dieser Lage wurde in Alejandro Selkirk umbenannt, und auf der Hauptinsel erinnert eine Gedenktafel an das Leben des ausgesetzten Seefahrers auf dieser Insel.

Creative Commons License photo credit: brownpau



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